
Eine Wolke in Hosen
Mit Christopher Doyle durch die Nacht: Ein Porträt des australischen Kameramanns, der mit Wong Kar-wai das Kino Hongkongs neu erfand – und am liebsten eine Wolke in Hosen gewesen wäre.
„One of my favorite lines of all times comes from a Mayakovsky poem: „I don't want to be a man, I want to be a cloud in trousers!" (Christopher Doyle)
Hongkong, April 1999: mit Christopher Doyle unterwegs durch die Nacht. Fünf Lokale in zweieinhalb Stunden. Zweimal vergißt er sein Mobiltelefon, geht zurück, holt es. Alle Lokale, die er ansteuert, sind wie Wohnzimmer für ihn. Er kennt alle Leute, alle Leute kennen ihn. Die Bars liegen rund um seine Wohnung in Lan Kwai Fong, dem Szeneviertel. Sowohl das Szeneviertel als auch seine Wohnung sind immer wieder Schauplatz in den Filmen, die er – vor allem mit Wong Kar-wai – in Hongkong dreht. „Mein Sofa", sagt er, „ist in mehr Filmen zu sehen als Brad Pitt." In Lan Kwai Fong befindet sich der Imbißstand aus Chungking Express und – gleich gegenüber – das California Restaurant. Schließlich landen wir in einer kubanischen Bar, es ist halb drei Uhr früh. Chris Doyle muß um sieben Uhr am Flughafen sein, einen Termin in Taipeh erledigen, am nächsten Abend ist er wieder zurück. Er tanzt mit seiner Begleiterin einen kubanischen Tanz, aber so, daß das ganze Lokal verstummt und zuschaut. Der Mann ist 47 Jahre alt, ein Energiebündel, scheinbar nicht zu bremsen. Den ganzen Abend schleppt er eine riesige Mappe mit Collagen herum, die bei der Viennale-Ausstellung gezeigt werden sollen. Einfach so, unbürokratisch. Er unterhält sich mit den Leuten auf Englisch, Hochchinesisch, Kantonesisch, ganz nach Bedarf. Wo hat er eigentlich Chinesisch gelernt? „Im Bett."
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