Hit the Road, Jack
Eine schöne Wiederaufführung: „Five Easy Pieces“ von Bob Rafelson (1970) mit Jack Nicholson in einer Glanzrolle.

Five Easy Pieces stammt aus jener fernen Zeit, als Jack Nicholson noch ein großartiger Schauspieler und nicht bloß der bestbezahlte Grimassenschneider der Welt war, und als Bob Rafelson noch nicht zum Film-Konfektionsschneider von Werken wie Black Widow oder Land der schwarzen Sonne verkommen war. Nicholson spielt den Ölarbeiter Bobby, der mit seinem Beruf und mit seiner Beziehung zu der eher schlichten Kellnerin Rayette (Karen Black) unzufrieden ist. Abende beim Bowling und oberflächliche Flirts sind die einzige Abwechslung. Als Bob erfährt, daß sein Vater, den er seit Jahren nicht besucht hat, sehr krank ist, macht er sich mit Rayette, die er allerdings nur widerstrebend mitnimmt, auf den Weg zu seiner Familie. Was folgt, sind einige der schönsten Road-Movie-Sequenzen, die es überhaupt gibt, auf Straßen, die nichts mehr von vielzitierten metaphysischen „Freiheit“ der sechziger Jahre repräsentieren. Zwei Autostopperinnen räsonieren (schon 1970!) über ökologische und soziale Katastrophen und werden von Bob bald wieder an die frische Luft gesetzt.
Five Easy Pieces überrascht mit viel Witz; etwa als Bob, Ray und die beiden Anhalterinnen in einem Rasthaus aufgrund irgendwelcher obskurer Vorschriften nicht das bekommen, was sie bestellt haben. Rafelson zeichnet eines desillusionierten Mannes, der in keiner der beiden Welten wirklich zuhause ist: weder in der proletarisch-kleinbürgerlichen, die er mit Rayette bewohnt, noch – wie sich zeigt –im Kreis seiner bourgeoisen Familie, die nur noch leere Rituale wiederholt.
Bobs Versuche, mit Catherine, der Freundin seines Bruders, einen neuen Anfang zu wagen, scheitern ebenso wie die abendliche hochgeistige Diskussion mit drei versnobten Gästen der Familie. Als auch die Unterredung mit dem Vater (dessen symbolhafte Unfähigkeit zur Reaktion durch die Krankheit bedingt ist) nicht wirklich zustande kommt, flieht Bob vor seiner Familie. Später, in einer weiteren sehr schönen Sequenz, wird er Rayette seine Geldbörse zustecken und, während sie an einer Tankstelle Kaffee trinken geht, einen letzten Versuch unternehmen, sein Leben neu zu beginnen. Ein Trucker nimmt ihn mit nach Alaska.
Die gelungene Wiederentdeckung dieses Films leitet eine umfangreiche Jack-Nicholson-Retrospektive im Star-Kino ein, die neben Altbewährtem auch Raritäten zeigen will, etwa Arthur Penns Missouri Breaks, Hal Ashbys The Last Detail oder Warren Beattys Reds.
Der Text erschien im Falter 31/90 (Juli 1990).



