Alle Texte
RezensionenKurzfilm18. Mai 2026

Der Kurzfilm: Die unterschätzte Form

Kein Budget, keine Länge, keine Grenzen: Warum der Kurzfilm der freieste Ort des Kinos ist – und wo man ihn findet.

Zuschauerin vor der Leinwand in einem dunklen Kino

Der Kurzfilm gilt als Visitenkarte, als Übungsfeld für den „richtigen“ Film. Das ist ungefähr so, als würde man das Gedicht als Training für den Roman bezeichnen.

In zwanzig Minuten oder weniger erzählt der Kurzfilm, wofür andere zwei Stunden brauchen – oder er erzählt bewusst gar nichts und zeigt stattdessen einen Moment, eine Geste, einen Zustand. Gerade weil er wirtschaftlich kaum Erwartungen erfüllen muss, ist er der Ort, an dem das Kino am freiesten ist.

Die Geschichte des Films ist ohne ihn nicht denkbar: die Lumières drehten Kurzfilme, Méliès drehte Kurzfilme, und fast jede Regie-Generation hat im Kurzformat ihre ersten radikalen Ideen ausprobiert. Wer wissen will, wohin das Kino geht, schaut nicht auf die Charts, sondern in die Kurzfilmprogramme der Festivals.

Und heute? Lebt der Kurzfilm im Netz, auf Vimeo und YouTube, auf Festivals von Clermont-Ferrand bis Oberhausen. Man muss ihn nur suchen. Es lohnt sich.

Weiterlesen